Ein Stolpern in der Brust, rasender Puls oder das Gefühl, dass der innere Motor unrund läuft: Mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Vorhofflimmern – viele von ihnen, ohne es überhaupt zu ahnen. Deshalb rückt die Erkrankung im Rahmen der diesjährigen Herzwochen der deutschen Herzstiftung in den Fokus: Unter dem Motto „Herz aus dem Takt – Vorhofflimmern erkennen und handeln“ finden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen sowie Aufklärungsarbeit statt. Am 28. November von 10 bis 14 Uhr lädt auch das Augusta Krankenhaus Düsseldorf zum großen Herz- und Gefäßtag ein und klärt über die am häufigsten unterschätzte Herzrhythmusstörung auf. Denn das Tückische am Vorhofflimmern ist: Es tut meistens nicht weh. Bleibt es jedoch unentdeckt und unbehandelt, steigt das Risiko für eine Herzschwäche oder einen gefährlichen Schlaganfall massiv an. Eine frühzeitige Diagnose kann hier zum echten Lebensretter werden.
Wie man die Warnsignale richtig deutet und wann schnelles Handeln gefragt ist, erklärt Dr. Hanno Gerhardy, Oberarzt der Klinik für Kardiologie, Rhythmologie und konservative Intensivmedizin am Augusta-Krankenhaus, im Kurz-Interview:
Woran erkennt man Vorhofflimmern?
Typische Zeichen sind plötzliches Herzrasen, ein spürbares Stolpern in der Brust oder ein völlig unregelmäßiger Puls. Viele Patienten berichten uns auch von einer plötzlichen Leistungsschwäche im Alltag, Schwindel oder einer unerklärlichen Kurzatmigkeit bei normaler Belastung. Während Vorhofflimmern allerdings völlig chaotisch verläuft, schlägt das Herz beim sogenannten Vorhofflattern meist sehr schnell, aber noch in einem regelmäßigen, sägezahnartigen Rhythmus. Beide Formen gehören medizinisch abgeklärt.
Welche Ursachen und Auslöser stecken dahinter?
Einer der Haupttreiber ist ein dauerhaft erhöhter Blutdruck, der das Herzgewebe über Jahre hinweg belastet. Aber auch bestehendes Übergewicht, Herzschwächen, Klappenfehler, Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes spielen eine große Rolle. Im Alltag sehen wir zudem immer wieder akute Auslöser – die sogenannten 'Trigger-Faktoren': Schlafmangel, akute Infekte, starker Stress, chronische Atemaussetzer in der Nacht oder exzessiver Alkoholkonsum, etwa nach Feierlichkeiten. Sie können das Herz aus dem Rhythmus bringen.
Welche modernen Therapiemöglichkeiten bietet die Kardiologie heute?
Ein erster Schritt ist auf jeden Fall die medikamentöse Therapie, um das Schlaganfallrisiko zu minimieren. Denn das Herz zittert beim Vorhofflimmern unregelmäßig und so kann das Blut in den Vorhöfen ins Stocken geraten. Dadurch bilden sich leicht Blutgerinnsel. Lösen sie sich, können sie ins Gehirn wandern und einen Schlaganfall auslösen. Moderne Blutverdünner verhindern genau das. Die zweite Säule ist die Kontrolle mit der Hilfe weiterer Medikamente, um das Herz zu beruhigen oder mittels einer Kardioversion – eines kurzen elektrischen Impulses – zurück in den Takt zu bringen. Die dritte Säule ist die Katheterablation: Hier veröden wir die Areale im Herzen, von denen die Störsignale ausgehen, minimalinvasiv mit Kälte, Hitze oder der modernen Pulsed Field Ablation. Bei letzterer nutzen wir extrem kurze, gezielte elektrische Impulse, die ausschließlich die fehlerhaften Herzzellen ausschalten, während das umliegende Gewebe und die Nerven geschont werden.
Lässt sich die Erkrankung vollständig heilen?
Das ist die Frage, die Patienten und Angehörigen verständlicherweise am meisten umtreibt. Einmal zerstörtes Herzgewebe kann sich zwar nicht regenerieren, aber: Wenn wir das Vorhofflimmern frühzeitig behandeln – solange es noch in Schüben auftritt – ist die Katheterablation einer dauerhaften Heilung sehr nah. Viele Betroffene sind danach über Jahre komplett beschwerdefrei und benötigen oft keine oder deutlich geringere Rhythmusmedikamente. Wichtig für den langfristigen Erfolg ist aber immer, dass auch die Ursachen wie Bluthochdruck oder Übergewicht konsequent behandelt werden.
Wann sollte man unbedingt zum Arzt?
Die klare Regel lautet: Lieber einmal zu viel als einmal zu spät. Wer bei sich oder seinen Angehörigen wiederholt ein unregelmäßiges Herzstolpern, unerwartete Erschöpfung oder Schwindel bemerkt, sollte zeitnah einen Termin beim Kardiologen oder Hausarzt vereinbaren. Tritt das Herzrasen jedoch völlig unvermittelt auf und wird von akuter Atemnot, Brust-, Rückenschmerzen oder einem Vernichtungsgefühl begleitet, zögern Sie nicht – das ist ein Fall für die 112.













































































